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Niederzissen hat jetzt ein jüdisches Museum

Religion Dauerausstellung mit Genisa-Funden vom Dachboden der ehemaligen Synagoge

Hans-Willi Kempenich

Niederzissen.Die Genisa-Funde vom Dachboden der ehemaligen Synagoge bilden das Herzstück einer Dauerausstellung, die jetzt in dem zu einer Erinnerungs- und Begegnungsstätte ausgebauten früheren jüdischen Gotteshaus im Beisein hochrangiger Gäste, darunter auch die heimischen Bundes- und Landtagsabgeordneten, eröffnet wurde. Die herausragende Bedeutung der Hinterlassenschaften aus dem Leben der jüdischen Gemeinde im Brohltal und des neuen Museums unterstrich Staatssekretär Walter Schumacher vom rheinland-pfälzischen Kultusministerium in seinem Grußwort: „Sie haben Niederzissen in der ganzen Welt bekannt gemacht.“

Dass dies sowohl für die Qualität als auch für die Quantität der Genisa gilt, bestätigten Manja Altenburg und Dr. Esther Graf von der Agentur für jüdische Kultur in Heidelberg, die für die Gestaltung der Ausstellung verantwortlich zeichnen. Während es andernorts bei der Einrichtung eines Museums häufig an Ausstellungsstücken mangele, sei das in Niederzissen völlig anders: „Wir haben es hier mit einem schier unermesslichen Fundus zu tun.“ Staatssekretär Schumacher lobte „die gute Entscheidung des Niederzissener Gemeinderats beim Kauf des Gebäudes. Sie haben Ernst gemacht mit Ihrer historischen Verpflichtung.“

eröffnung museum

Anne Wagner vom Förderverein und Richard Keuler halten die Schenkungsurkunde im Beisein von (von links) Norbert Wagner, Horst Gies, Gitta Connemann, Reinhard Wolf, (Förderverein), Gisela Reichrath (Kultur- und Heimatverein), Walter Schumacher und Abraham Lehrer. Foto: H.-W. Kempenich

Der Förderverein der ehemaligen Synagoge initiierte vor knapp zwei Jahren in enger Abstimmung mit dem Kultur- und Heimatverein (KHV) das Museumsprojekt, wie Vorsitzender Norbert Wagner sagte. Er bedankte sich „bei erfreulich vielen Förderern und Unterstützern“, die geholfen haben, die Kosten von mehr als 50 000 Euro zu stemmen. Den Sachverstand auf dem Gebiet der Museologie und Judaistik steuerten Manja Altenburg, Dr. Esther Graf sowie Luise John von einer Design-Agentur in Mannheim bei. „Und mal wieder Professor Andreas Lehnardt von der Uni Mainz, der frühzeitig die historische und kulturelle Bedeutung der Genisa einschätzte und ihre fachgerechte Sicherung und Auswertung vorantrieb“, sagte Wagner, der zusammen mit seinen Vorstandskollegen eine Schenkungsurkunde und somit symbolisch das Museum an KHV-Chef Richard Keuler übergab. „Wir sind bereit. Die ehemalige Synagoge ist auf dem besten Weg, eine Institution zu werden“, sagte Keuler. Er und seine Mannschaft seien es, die in der früheren Synagoge seit ihrer Wiedereröffnung vielfältige und hochwertige Veranstaltungen organisieren und sie so mit Leben füllen.

„Sie bewahren die Erinnerung daran, dass jüdisches Leben hier stattfand“, lobte Gitta Connemann, Mitglied des Deutschen Bundestages und Vizepräsidentin der Deutsch-Israelischen Gesellschaft. Gleichzeitig aber sei Antisemitismus vor allem in den sozialen Netzwerken mitten in der Gesellschaft angekommen. „Lassen Sie uns gemeinsam an der Hoffnung arbeiten“, forderte sie zum Gegenlenken auf. Die Museumseröffnung sei für ihn ein Tag von besonderer Bedeutung, ein persönlicher Glanzpunkt, sagte Abraham Lehrer, Präsidiumsmitglied im Zentralrat der Juden und Vorstand der Synagogengemeinde Köln. Aber auch er beklagte „einen Antisemitismus in Reinform in den sozialen Netzwerken.“

Horst Gies, Mitglied des Landtages und Erster Kreisbeigeordneter, sprach von einer neuen wichtigen Adresse in der Museumslandschaft und auch von einem Zeichen gegen den aktuell immer wieder aufflammenden Antisemitismus. Er überbrachte Grüße von Landrat Jürgen Pföhler und überreichte einen zweiten Bewilligungsbescheid für einen Zuschuss an den Förderverein, der übrigens auch den Kreis als Mitglied führt. Was in den Reden mehrfach betont wurde: Heimatforscherin Brunhilde Stürmer hat mit ihrem profunden Wissen über die Geschichte von Niederzissen eine Menge zum Gelingen des Projektes beigetragen. Begleitet wurde die Feier von Beiträgen des Musikers und Schauspielers Holger Queck aus Sinzig.

Die Rhein-Zeitung wird das Museum in Kürze in einem gesonderten Beitrag vorstellen.

Rhein Zeitung Bad Neuenahr-Ahrweiler vom Mittwoch, 15. Oktober 2014, Seite 20

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