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Konzert der Extraklasse mit Villa Musica in Niederzissen

Francesca Dego und Alexander Hülshoff brillierten in Synagoge

Niederzissen. Bis auf den letzten Platz besetzt war die ehemalige Synagoge Niederzissen beim Konzert der rheinland-pfälzischen Musikstiftung Villa Musica in Kooperation mit dem örtlichen Kulturverein. Im Rahmen der Konzertreihe „Musik in der Synagoge“ gastierten zwei Streicher der Weltklasse zum ersten Mal in Niederzissen mit einem bewegenden, nachdenklichen und gleichermaßen mitreißenden Konzert. Sie präsentierten Soli und Duos von Johann Sebastian Bach, Erwin Schulhoff und Maurice Ravel.

Nach einleitenden Worten des Vereinsvorsitzenden Richard Keuler zur Konzertreihe Musik in Synagogen, der Stiftung und den beiden Interpreten, begann Alexander Hülshoff, Professor an der Folkwang Universität in Essen und künstlerischer Leiter der Villa Musica Rheinland-Pfalz mit der Cellosuite Nr. 2 d-Moll von Johann Sebastian Bach. Dieses Werk gilt heute, im Gegensatz zur Entstehungszeit, mit den fünf weiteren Cellosuiten zu den Höhepunkten der Kammermusik Bachs.

villa musica

Gemeinsam mit Francesca Dego, die zu den bekanntesten Geigerinnen Italiens zählt, folgte die Duosonate für Violine und Violoncello von Erwin Schulhoff, der als tschechisch-jüdischer Komponist 1942 im KZ Wülzburg bei Weißenburg in Mittelfranken verstarb. Die 1926 komponierte Duosonate vereint volkstümliche Musik im munteren „Allegretto“ des ersten Satzes mit Zigeunermusik, dem „Zingaresca“ des zweiten Satzes. Im anschließenden „Andantino“ stimmt die Geige eine einfache Melodie und gezupften Tönen des Cellos an, in dessen Verlauf die Instrumente mehrmals tauschen. Das Finale des Schulhoffchen Duos endet in einem wilden „Presto fanatico“, das stark an den ebenfalls aus der Tschechei stammenden Komponisten Bela Bartok erinnert.

Erst in den Achtziger Jahren des letzten Jahrhunderts begann die Wiederentdeckung des Prager Komponisten und seiner Werke durch Gideon Kremer und seinem Festival in Lockenhaus. Es war ein wichtiger Schritt durch Schulhoffs Musik eine ganze Generation tschechisch-jüdischer Komponisten wieder ins Blickfeld zu rücken, die von den Nazis ausgelöscht wurden. Dies sei, so Alexander Hülshoff, auch Sinn der Reihe „Musik in Synagogen“, dass diese Musik wieder dort gespielt wird, wo sie hingehört und wo sich Bürger mit hohem Einsatz engagieren, historische Synagogen zu retten und sie wieder spielbar zu machen. Das ist auch in Niederzissen eine großartige Verbindung.

Ein weiterer Höhepunkt des Konzertes folgte mit der von Francesca Dego gespielten „Chaconne“ d-Moll von Johann Sebastian Bach. Das Geigensolo gilt als eines der größten Stücke barocker Musik überhaupt. Diese geniale Komposition zu spielen bedarf höchster Spielkunst, die Francesca Dego beherrscht. Nur auf vier Saiten suggeriert die Geigerin eine volle Harmonie, für die, so Karl Böhmer im Programmheft beschreibt, andere Komponisten Orgel, Cembalo, mehrere Violinen oder gar Orchester heranziehen mussten.

Zum Abschluss des eigentlichen Programms spielten beide Streicher die Sonate für Violine und Violoncello von Maurice Ravel, die der Komponist der Erinnerung an den im letzten Kriegsjahr des ersten Weltkrieges verstorbenen französischen Komponisten Claude Debussy gewidmet hat. Dieses 1922 uraufgeführte Werk war für Ravel ein Wendepunkt, „eine extreme Kehrtwende“, wie er selbst zugab, weg vom „harmonischen Charme“ seiner frühen Werke hin zu einer Stimmführung mit oft dissonanten Wirkungen.

Stehend applaudierten die begeisterten Zuhörer und entließen die beiden Künstler nicht ohne Zugaben. So spielten sie zunächst die vom norwegischen Komponisten Johann Halvorsen bearbeitete Komposition „Passacaglia“ für Violoncello und Viola von Georg Friedrich Händel und zur großen Freude der Besucher noch einmal den 2. Satz „Zingaresca“ aus dem Duo von Erwin Schulhoff. Richard Keuler wies zum Abschluss darauf hin, dass Villa Musica in genau einem Jahr wieder hier sein wird und die Schülerinnen und Schüler der Musikschule im Kreis Ahrweiler am Sonntag, 15. März 2015 um 16:00 Uhr das nächste Konzert in der in der ehem. Synagoge bestreiten werden. Der Eintritt ist frei, um Spenden wird gebeten.

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