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Alle Fesseln werden gesprengt

Veranstaltung Niederzissener Beitrag zur Ahrweiler Freiheitswoche

Hans-Willi Kempenich

Niederzissen. In engen Fesseln, mit verbundenen Augen, verklebtem Mund und behängt mit zahlreichen Zeichen der Abhängigkeit und Unfreiheit steht ein „Mensch“ inmitten der ehemaligen Synagoge in Niederzissen. Doch einige Jugendliche sind bereit, ihm zu helfen: Sie zerschneiden seine Fesseln, lösen Augenbinde und Klebepflaster, entfernen die Symbole von Laster und Sucht und geben ihm damit seine Freiheit zurück. Zum Vorschein kommt eine Puppe mit hübschem Gesicht und freundlichen Augen – ein freier Mensch eben.

fesseln sprengen 

Noch beraten die Schüler, wie sie dem unfreien „Menschen“ helfen können, doch bald schon haben sie ihn entfesselt und von den Symbolen seiner Abhängigkeit befreit, Foto: Hans-Willi Kempenich

Was zahlreiche Besucher, unter ihnen der Landtagsabgeordnete Guido Ernst, Ortsbürgermeister Rolf Hans und der frühere Rektor Heribert Stein, in der Niederzissener Erinnerungs- und Begegnungsstätte beobachten konnten, war der Höhepunkt des Projektes „Fesseln sprengen“, mit dem sich die Schüler der Realschule plus in Niederzissen an der Ahrweiler Freiheitswoche beteiligten. Wenn nicht an einem Ort wie diesem sollte eine solche Performance ihre Berechtigung haben, waren sich Brohltal-Bürgermeister Johannes Bell und Richard Keuler, der Vorsitzende des Niederzissener Kultur- und Heimatvereins, einig. „Fast 100 Jahre war dieses Haus Mittelpunkt des religiösen Lebens einer einst großen jüdischen Gemeinde – mit dem bekannten, schrecklichen Ende“, sagte Keuler. Bell rief die Jugendlichen dazu auf, sich stets für Freiheit und Demokratie einzusetzen.

Pädagogisch begleitet wurden die Schüler bei ihrer Arbeit von Lehrerin Katharina Volkert, Gemeindereferent Rainer Schönhofen und weiteren engagierten Helfern, darunter auch die Burgbrohler Künstlerin Karin Meiner mit Unterstützung des Vereins AIM, der Kunstprojekte im ländlichen Raum fördert.

Die Verantwortlichen der Nachmittagsbetreuung, Margret Kreyer und Michael Annasenz, steuerten mit ihren Schülern das Projekt „Durchblick“ bei: mehrere durchbrochene Betonplatten, die den Blick freigeben und den Weg in die Freiheit weisen. Den Wert der Arbeiten unterstrich auch Ghazel Wahisi, die stellvertretende Vorsitzende des Fördervereins Ahr-weiler Freiheitswochen.

Rhein-Zeitung Kreis Ahrweiler vom Montag, 7. März 2016, Seite 10

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