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Wenn die Klarinette singt und das Akkordeon tanzt

Konzert Trio Klezmers Techter und Sängerin Laura Heinz gastierten in ehemaliger Synagoge

Niederzissen. Temperamentvoll, melancholisch, mit Herzblut und Lebensfreude pur, so resümierte der Vorsitzende des Niederzissener Kultur- und Heimatvereins, Richard Keuler, das inzwischen dritte Konzert des Trios Klezmers Techter, das jetzt mit einer Sängerin als Quartett in der ehemaligen Synagoge Niederzissen aufgetreten ist. Dieses Fazit zogen auch die Besucher des ausverkauften Konzertes mit Gabriele Kaufmann (Klarinetten), Nina Hacker (Kontrabass), Almut Schwab (Akkordeon, Hackbrett) sowie Laura Heinz (Gesang).

Von freien Improvisationen bis hin zu traditionellen Interpretationen jiddischer Musik, faszinierend und facettenreich, spannten Klezmers Techter einen Bogen von unbändiger Lebensfreude bis hin zu wehmütiger Sehnsucht. Vor zwei Jahren noch als Trio hatten sie versprochen, beim nächsten Konzert mit einer Sängerin aufzutreten. Laura Heinz, ehemals Stipendiatin der rheinland-pfälzischen Stiftung Villa Musica, bereicherte das Ensemble mit ihrer hellen und klaren Stimme, die besonders beim Lied „Bei mir bistu shein“ – „Bei mir bist du schön“ zum Ausdruck kam. Dieses 1932 von Shalom Secunda (1894–1974) komponierte und von Jacob Jacobs (1840–1977) für das jiddische Musical „Meh ken leben nor men lost nit“ (Man konnte leben, aber sie lassen uns nicht) geschriebene Lied ist inzwischen ein Evergreen und wurde von einigen Konzertbesuchern mitgesungen.

klezmers techter

Musik zwischen unbändiger Lebensfreude und wehmütiger Sehnsucht brachten Klezmers Techter und Laura Heinz mit nach Niederzissen. Foto: Richard Keuler

Wer noch nie eine Klarinette beim Singen, Lachen, Klagen und Schreien oder ein Akkordeon beim Tanzen erlebt hat, hatte nun Gelegenheit dazu. Ein ständiger Rollenwechsel der Instrumente, die pure Lust am musikalischen Dialog beherrschte das Konzert. Innerhalb kurzer Passagen wechselten tatsächlich und lebhaft die Rollen zwischen den Instrumenten. Ob Klarinette, Akkordeon oder Kontrabass, jedes Instrument hatte immer wieder eine Führungsrolle. So lauschten die begeisterten Zuhörer zum Beispiel dem von Moyshe Nadir (1885–1943) komponierten und getexteten Lied über Rebbe Elimelech, und den Abschluss des Konzertes bildete das Lied „In Eynem“, das auch Titel des ganzen Konzertes war. Dieses melancholische Stück erzählt von der Liebe und dem Wunsch, zusammen zu sein. „Lieber würde ich meine Stiefel verkaufen oder auf dem Bahnhof schlafen und fremde Bäder putzen, nur um bei Dir zu sein“, heißt es darin. Das zweistündige Konzert endete nicht ohne Zusage, Klezmers Techter in zwei Jahren wieder in der ehemaligen Synagoge erleben zu können.

Nächste Veranstaltungen des Vereins sind im Rahmen der zweiten Ahrweiler Freiheitswochen am 12. März von 14 bis 16 Uhr eine Projektpräsentation der Realschule plus Niederzissen („Miteinander und Integration – Jeder ist anders, alle sind gleich“), ein Auftritt der Musikschule im Kreis Ahrweiler am 19. März um 16 Uhr unter dem Titel „Freiheit und Musizieren“, eine Gemälde- und Fotoausstellung mit Antja Schlaud und Jonathan Schlaud ab 29. April (Vernissage um 16 Uhr) und ein Operettenkonzert mit Sopranistin Melanie Gobbo und Pianistin Melissa Pawlik am 20. Mai, 19 Uhr. Karten und Infos unter Tel. 02636/6482

Rhein-Zeitung Kreis Ahrweiler vom Mittwoch, 8. März 2017, Seite 18

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