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Außergewöhnliches Villa-Musica-Konzert

Musik Violinenduo präsentiert in der ehemaligen Synagoge Bach, Mozart und Zeitgenössisches

Von unserer Mitarbeiterin Petra Ochs

Niederzissen. Mit „Musik in der Synagoge“ hat die Stiftung Villa Musica eine Konzertreihe geschaffen, die wie geschaffen ist für die ehemalige Synagoge in Niederzissen. Und mit Alba González i Becerra (Viola) und Alberto Menchen (Violine) waren am Samstagabend zwei junge spanische Musiker zu Gast, um ein ganz außergewöhnliches Programm zu präsentieren, das im Grunde nur durch eins geeint wurde: das innige Zusammenspiel von Violine und Viola.

Dass Johann Sebastian Bach und Wolfgang Amadeus Mozart dabei ein gewichtiges Wörtchen mitredeten, kam nicht von ungefähr: Beide hatten ein Faible für die Geige, und beide spielten sie meisterhaft. Mit Bachs Prélude aus der Suite Nr. 3 C-Dur machte Alba González i Becerra den Anfang. Das Kontrastprogramm lieferte kurz darauf Alberto Menchen mit „Sonate Nr. 5 G-Dur für Violinsolo L’Aurore“ des belgischen Geigers und Komponisten Eugène Ysaÿe. Mit nach innen gerichtetem Blick und entrücktem Spiel der Augenbrauen interpretierte Menchen Ysaÿes Version der „Morgenröte“, zunächst leicht und verträumt, dann rustikaler beim ländlichen Tanz am Morgen.

villa musica

Ein stimmungsvolles und inniges Konzert boten lba González i Becerra (Viola, links)) und Alberto Menchen (Violine) inm der ehemaligen Synagoge in Niederzissen. Mit den jüdischen Gesängen, interpretiert für die Geigen, gelang den Künstlern auch der Bezug zum Auftrittsort. Foto: Uwe Sülflohn

Besonders war auch das Instrument, auf dem der junge Geiger spielte: Seine Violine wurde vom berühmten Geigenbauer Nicola Amati gebaut und stammt aus dem Jahr 1663. Menchen, von 2013 bis 2016 Stipendiat der Villa Musica, ist aktuell Konzertmeister des WDR-Rundfunkorchesters Köln. Ebenfalls in Deutschland engagiert ist Alba González i Becerra: Sie spielt beim Staatsorchester Darmstadt und zählt als Bratschistin im Diogenes Quartett zur Elite der jungen Streichquartettmusiker in Deutschland.

Gemeinsam und in allerhöchster Harmonie boten González i Becerra und Menchen Mozarts Duo für Violine und Viola Nr. 2 B-Dur dar und hatten sichtlich Spaß daran. Besonders im Adagio und dem Andante cantabile durfte dabei vor allem die Violine glänzen. Grandios war das Zusammenspiel auch bei Mozarts leicht und verspielt daherkommendem Duo für Violine und Viola Nr.1 G-Dur, das später erklang. „Mozart hätte seine Freude daran gehabt“, urteilte später Richard Keuler, als Vorsitzender des Kultur- und Heimatvereins Niederzissen Hausherr der Synagoge

Ganz ohne Noten, allein aus dem Kopf heraus, interpretierte Alberto Menchen auf virtuose Weise dann noch Bachs g-Moll-Fuge aus der „Sonata prima“ – klagend, wehmütig und eindringlich. Ganz ans Ende ihres viel beklatschten Programms setzten Alba González i Becerra und Alberto Menchen jüdische Gesänge – mit den vier Liedern von Delilah Gutman wurde es irgendwie auch ein anderes Konzert.

Die italo-amerikanische Komponistin hatte ihre jüdischen Lieder 2014 eigentlich für Singstimme und Violine komponiert. Alba González i Becerra übernahm kurzerhand den Vokalpart auf ihrer Viola. Das Ergebnis waren atmosphärisch tief bewegende Duos, die in den Kern jüdischer Tradition führten, beim bedeutungsschweren Glaubensbekenntnis „Shemà Israel“ und dem klagenden chassidischen Lied „Shalòm Aleichem“ genauso wie beim lebhaften und mitreißenden Gesang zur Mitzvà-Feier. „Falls Sie Lust haben: Wir haben noch eine kleine Zugabe“, meinte Alberto Menchen zum Abschluss des Konzertes. Am Ende wurden es dann zwei Zugaben – eine fulminanter als die andere.

Rhein-Zeitung Kreis Ahrweiler Dienstag, 13. Juni 2017, Seite 22

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