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Weltklasse Cellist brillierte mit jungen Stipendiatinnen 

Hochwertiges Konzert der Villa Musica in Niederzissen

 

Niederzissen. Einen musikalischen Hochgenuss bereiteten der deutsche Weltklassecellist Jens Peter Maintz und die jungen Streicherinnen Charlotte Chahuneau aus Paris mit ihrer Geige sowie Shira Majoni aus Jerusalem mit der Bratsche den Besuchern des Konzertes in der bis auf den letzten Platz besetzen ehem. Synagoge Niederzissen.

Jens Peter Maintz, Echo-Klassik Preisträger, lehrt als Professor an der Universität der Künste in Berlin und leitet diverse Projekte mit Stipendiaten der Landesstiftung Villa Musica. So war es auch nicht verwunderlich, wie er mit den jungen Musikerinnen zum Erstaunen und zur Freude der Konzertbesucher bei den anspruchsvollen Werken der klassischen Musikliteratur harmonisierte.

 villa musica 2018

Charlotte Chahuneau, Geige, Jens Peter Maintz, Violoncello und Shira Majoni, Bratsche, beim Konzert der Villa Musica in der ehem. Synagoge Niederzissen. Foto: Kultur- und Heimatverein


Das Konzert begann mit dem Streichtrio Es-Dur, op. 3, von Ludwig van Beethoven, das er 1792 in seinen letzten Bonner Jahren komponierte. Dabei nahm er sich das Divertimento Es-Dur von Mozart zum Vorbild. Die drei Musiker zeigten brillant, warum das Werk bis heute beliebt ist. Es eröffnet mit einem „feurigen Allegro“, dem ein langsames Andante in B-Dur folgt. Das erste Menuett im dritten Satz gilt als ironisches „Seufzerstück“, dem das Adagio, als das Herzstück des Werkes und ein gemäßigtes zweites Menuett in der schlichten Melodik eines frühen Ländllers folgten mit dem Finale, einem frühen Beispiel für Beethovens nervöse Energie in rasant schnellen Finalsätzen, endet das sechssätzige Meisterwerk, das er in seiner Wiener Zeit gründlich überarbeitet hat.

Gänzlich andere Musik präsentierten die drei Virtuosen mit dem Streichtrio Opus 48 von 1950, des jüdisch-polnischen Komponisten Mieczyslaw Weinberg. Als Moishei Vainberg 1919 in Warschau geboren, erlebte er, wie seine ganze Familie von den Deutschen im KZ Trawniki ausgelöscht wurde. Ihm gelang die Flucht in die Sowjetunion und lebte unbescholten in Minsk, bis auch dort die Deutschen einmarschierten. Er floh ein zweites Mal nach Taschkent in Usbekistan, um schließlich 1943 auf Betreiben seines Freundes, des Komponisten Schostakowitsch nach Moskau zurückzukehren, wohl wissend, dass ihm der russische Antisemitismus noch reichliche Probleme bereiten würde. Heute gilt  Weinberg mit seinem 22 Sinfonien, 17 Streichquartetten und etlichen Sonaten für Violine, Viola und Violoncello als der dritte große Meister der russischen Musik des 20. Jahrhunderts neben Dimitri Schostakowitsch und Sergei Prokofjew.

Das Trio Opus 48 begann mit einem Allegro con moto, das vom Cello angeführt wurde. Das charakteristische Kopfmotiv kehrte ständig zurück und auftrumpfend, mal leise trippelnd, um nach kräftigen Pizzicati mit einem leisen Geigensolo auszuklingen. Der Mittelsatz, ein tragendes Andante als dreistimmige Fuge, leitete über zum Allegro-Finale, das Marsch-Trott einsetzte, mit dem Weinberg die Atmosphäre im stalinistischen Russland  konterkarierte. Mit diversen Folkloremotiven aus Taschkent durchsetzt, endete das mitreißende Finale und damit der erste Teil des Konzertes.

Mozarts Divertimento Es-Dur in sechs Sätzen, gilt als eines jener Meisterwerke des Komponisten, die er 1788 eigens für die Kammermusikabende in seinem eigenen Haus komponierte. Es beginnt mit einem ersten Allegro, einem Es-Dur Dreiklang, gefolgt von „singenden“ galanten Sexten der Geige und Cello, auf die die Bratsche mit virtuosen Passagen antwortet, um wieder im Dreiklang zu enden. Das Adagio zählt zu Mozarts tiefgründigsten langsamen Sätzen und erzeugt eine Atmosphäre von stillem Pathos. Zwischen den beiden Menuetten, hat Mozart mit dem Satz „Variationen“ ein Wechselspiel der Musikinstrumente gewählt und das Prinzip der „variierten Reprisen“ im ganzen Satz beibehalten. Jede Variation wird in ihren Wiederholungen gleich nochmal variiert. So scheint die Geige das Heft in die Hand zu nehmen und den brillanten Schluss anzusteuern. Da kaufen ihr die Bratsche und das Cello den Schneid ab, bevor der Satz im Pianissimo endet. Die Konzertbesucher spürten, welche Freude die Musiker beim Schluss des Satzes mit dem Zusammenspiel ihrer Instrumente hatten. Mit dem Rondofinale und seinem volkstümlichen Ton, dessen Thema einem Volkslied gleicht, endete das gut zweistündige Konzert, was mit stürmischem Beifall der Konzertbesucher belohnt wurde.

Der Vorsitzende des Kultur- und Heimatvereins bedankte sich bei den Musikern und der Villa Musica für das hervorragende Konzert im Rahmen der Reihe „Musik in der Synagoge“, die zu der Kernreihe des Jahresprogramms der Landesstiftung zählt und am 01. Juni 2019 wieder in Niederzissen sein wird.

Am Sonntag, 08.07.2018, 17.00 Uhr, findet das Konzert mit Georg Kaiser „Irish und Scottish Folk“ statt. Eintritt 12,00 EUR, Einlass 16.30 Uhr.

Am Samstag, 11. August um 19.00 Uhr, gestaltet das preisgekrönte Duo „Sing Your Soul“ ein besonderes Sommerkonzert „Tango meets Klezmer“ in der ehemaligen Synagoge Niederzissen. Der Eintritt beträgt 13 Euro. Kartenreservierung für beide Veranstaltungen können beim Kultur- und Heimatverein Niederzissen unter Tel. Tel. 02636-6482 oder Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! vorgenommen werden.

 

 

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