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Der Pojaz tanzte bei singender Klarinette und hüpfendem Akkordeon

Trio Klezmers Techter gastierten erneut in Synagoge Niederzissen

 

Niederzissen. Im Takt wippen, nachdenklich werden und gleich wieder fröhlich sein, so fing der Vorsitzende des Niederzissener Kultur- und Heimatvereins, Richard Keuler, die Stimmung ein, in die das Trio Klezmers Techter die Besucher bei ihrem  inzwischen vierten Konzert in der guten Stube Niederzissens, der ehemaligen Synagoge, versetzte. Temperamentvoll, melancholisch, mit Herzblut und Lebensfreude pur, so spielten sich Gabriele Kaufmann (Klarinetten), Nina Hacker (Kontrabass) und Almut Schwab (Akkordeon, Querflöte, Hackbrett) beim ausverkauften Konzert erneut in die Herzen der Zuhörer, unter denen sich zur Freude aller Besucher und auch der Musikerinnen, Dr. Margarete Traub, die Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde Bonn, befand.

Mit einem neuen Programm und feinen Arrangements spannten die Musikerinnen virtuos, originell und mit viel Humor einen bereiten musikalischen Bogen von traditionellen Liedern und Tänzen hin zu eigenen Kompositionen. Zum Auftakt schreitet Nina Hacker mit dem riesig anmutenden Kontrabass durch die Reihen der Zuschauer und beginnt die Saiten zu zupfen. Auf dem Fuß folgt ihr Almut Schwab mit dem Akkordeon, das sie mal aufjuchzen, mal klagen lässt. Als letzte kommt Gabriela Kaufmann, die der Klarinette magische Töne entlockt, mal vulgär kreischend, dann wieder sanft und leise, mit Trillern, die an das Spiel einer Piccolo- Flöte erinnern. So begann das Konzert und setzte sich fort mit einem Tango, der bei einem Besuch in Buenos Aires entstand, wie Almut Schwab verschmitzt erzählte.

 

klezmers techter 2019

Temperamentvoll musizieren (von links nach rechts) Gabriela Kaufmann, Nina Hacker und Almut Schwab bei ihrem vierten Konzert in der ehemaligen Synagoge Niederzissen. Foto: Kultur- und Heimatverein

Gabriele Kaufmann führt als Moderatorin mit Witz und Wissen durch den weiteren Verlauf des Abends und kündigte unter anderem eine weitere Eigenkomposition an, die auch Titel des ganzen Konzertes war. ”Pojaz, der Traum-Tänzer” ist eine Hommage von ihr an das letzte Werk des in Berlin 1905 verstorbenen jüdisch-österreichischen Schriftstellers und Journalisten Carl-Emil Franzos. Wieder sind es Klarinette, Kontrabass und Akkordeon, die das Bild malen. Fast sieht man den jüdisch-galizischen Jungen tanzen und wie er leidet wegen seiner enttäuschten Liebe. Genau so konnten die aufmerksamen Zuhörer die Nachtigallen pfeifen hören, als Almut Schwab mit der Querflöte das gleichnamige Stück spielte.

Zum ”Tango Romanesc” ließ sich Almut Schwab durch einen Flirt in Rumänien hinreißen. Akkordeon, Kontrabass und Bassklarinette vermitteln plötzlich das Gefühl wieder in Argentinien zu sein. Dass das Trio auch Meister der Verzweiflung sein kann, zeigt es in ”Tsi darf es azoy zayn”, in dem es mit seinen Instrumenten den Holocaust beschreibt, ohne am Ende musikalisch die Hoffnung auf bessere Zeiten zu vergessen.

Wer noch nie eine Klarinette beim Singen, Lachen und Schreien, wie von Gabriele  Kaufmann gespielt, oder noch nie ein Akkordeon beim „Tanzen“ von Almut Schwab virtuos zelebriert, erlebt hat, hatte bei diesem Konzert die einmalige Gelegenheit dazu. Ein ständiger Rollenwechsel der Instrumente, die pure Lust am musikalischen Dialog, beherrschte das Konzert. Innerhalb kurzer Passagen wechselten tatsächlich und lebhaft die Rollen zwischen den Instrumenten hin und her. Ob Akkordeon, Klarinette oder Kontrabass, jedes Instrument hatte immer wieder eine Führungsrolle und musste sie gar während eines Stückes bald wieder abgeben. Das ist der unverwechselbare Stil des Trios Klezmers Techter, das ist Experimentierfreude mit musikalischer Tiefe und Innigkeit.

Richard Keuler  wies auf die nächsten Konzerte hin: Am Samstag, 11. Mai, 19.00 Uhr, Boogie Woogie Klavierkonzert mit Thomas Scheytt. Der Eintritt beträgt 15 EUR. Am Samstag, 1.Juni, 19.00 Uhr, „Oboe virtuos“,  Konzert der Villa Musica mit Prof. Kai Frömbgen, Oboe, Eintritt 16 EUR, und am Samstag, 6. Juli, 19.00 Uhr, Klezmerkonzert mit dem DUO ADAFINA. Eintritt ebenfalls 16 EUR. Einlass ist jeweils ab 18.30 Uhr. Kartenreservierungen beim Kultur- und Heimatverein Niederzissen e.V., Tel.: 02636-6482 oder unter Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! wären von Vorteil. Weitere Infos unter www.ehem-synagoge-niederzissen.de

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